Mitglieder des PEGDev Lab

Schlechte Nachrichten, Blutdiamanten, Milliardäre und das Wachstum von Städten

4. September 2026

Warum ignorieren Menschen schlechte Nachrichten? Können Zertifizierungssysteme die Verbindung zwischen Diamanten und Krieg durchtrennen? Wollen Amerikanerinnen und Amerikaner Milliardäre wirklich stärker besteuern? Und kann Politik beeinflussen, wo Städte wachsen? Vier Arbeiten aus dem PEGDev Lab haben in diesem Semester wichtige Meilensteine erreicht.

In einem Feldexperiment in Indien haben Angelika Budjan und Koautoren den Teilnehmenden die Wahl gelassen, zu erfahren, wie stark die Luftverschmutzung die Lebenserwartung in ihrem Distrikt verkürzt. Viele meiden die belastende Antwort bewusst oder „vergessen“ sie später. Wenn Menschen jedoch glauben, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann, verschwindet diese strategische Ignoranz weitgehend: eine zentrale Lehre für Informationskampagnen, die schlechte Nachrichten mit konkreten Handlungsmöglichkeiten verbinden sollten. „Strategic Ignorance and the Perceived Efficacy of Taking Action“ (mit Anca Balietti, Tillmann Eymess und Alice Soldà) ist im Economic Journal erschienen; eine Zusammenfassung findet sich auf VoxDev.

Richard Bluhm, Christian Lessmann und Paul Schaudt zeigen, wie politische Macht prägt, wo und wie Städte in Entwicklungs- und Schwellenländern wachsen. Sie nutzen hunderte Verwaltungsreformen zwischen 1987 und 2018 als globales Quasi-Experiment und finden, dass Städte, die den Status einer Regionalhauptstadt erhalten, ihre Wirtschaftsleistung binnen fünf Jahren um etwa 14 bis 22 Prozent steigern. Auch das Umland profitiert, es handelt sich also nicht nur um Umverteilung. Treiber sind Migration und Investitionen: Neue Hauptstädte ziehen mehr gut ausgebildete Zuwanderer an, und öffentliche wie ausländische Investitionen konzentrieren sich dort. „The Political Geography of Cities“ ist der Leitartikel der Juli-Ausgabe 2026 des American Economic Journal: Applied Economics; eine Zusammenfassung findet sich auf VoxDev.

Hat die Kampagne gegen „Blutdiamanten“ tatsächlich gewirkt? Auf Basis kleinräumiger Unterschiede darin, wo alluviale Diamanten abgebaut werden können, zeigen Dietmar Fehr und Koautoren, dass der Kimberley-Prozess zu einem dauerhaften Rückgang bewaffneter Konflikte in Afrika geführt hat. Das ist ein Beleg dafür, dass der Entzug von Rohstoffeinnahmen Rebellengruppen befrieden kann. „Can International Initiatives Promote Peace? Diamond Certification and Armed Conflicts in Africa“ (mit Christine Binzel und Andreas Link) wird derzeit für die American Economic Review überarbeitet; eine Zusammenfassung findet sich auf VoxEU.

Und in einem Umfrageexperiment mit mehr als 9.000 US-Amerikanerinnen und -Amerikanern untersuchen Jeffrey Yusof und Ricardo Perez-Truglia, wie das öffentliche Bild von Milliardären die Zustimmung zu ihrer Besteuerung prägt. Fachleute hatten erwartet, dass jede unvorteilhafte Information die Steuerbereitschaft erhöht. Tatsächlich blieben die meisten Treatments wirkungslos oder bewirkten das Gegenteil. Nur eine Botschaft zeigte robuste Wirkung: der aufwendige Lebensstil der Milliardäre. „Billionaire Superstar: Public Image and Demand for Taxation“ wurde zur Veröffentlichung im American Economic Journal: Economic Policy angenommen (NBER Working Paper).

Ein starkes Semester für das Lab, und es kommt noch mehr.

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